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PRES­SE­MIT­TEI­LUNG: AHO-HERBST­TA­GUNG 2019 — BUN­DES­RE­GIE­RUNG BEKENNT SICH ZUM ERHALT DER HOAI

Bau- und Immobilienrecht Presse
(22.11.2019) Die Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs EuGH vom 4. Juli 2019 zu den Min­dest- und Höchst­sät­zen der HOAI stand im Fokus der dies­jäh­ri­gen AHO-Herbst­ta­gung am 19.11.2019 vor mehr als 170 Teil­neh­mern im Audi­to­ri­um Fried­rich­stra­ße in Ber­lin.

Der Unter­ab­tei­lungs­lei­ter für Bau­we­sen und Bau­wirt­schaft im Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, für Bau und Hei­mat (BMI), Minis­te­ri­al­di­ri­gent Lothar Fehn Krestas, beton­te in sei­nem Gruß­wort die Einig­keit der Bun­des­mi­nis­te­ri­en, die HOAI als Rechts­ver­ord­nung auch zukünf­tig erhal­ten zu wol­len. Er hob die wich­ti­ge Funk­ti­on der HOAI auch über die Vor­ga­be der ver­bind­li­chen Min­dest- und Höchst­sät­ze hin­aus für die Siche­rung einer hohen Pla­nungs- und Bau­qua­li­tät im Sin­ne des Ver­brau­cher­schut­zes her­vor. Mit dem Erlass vom 5. August 2019 habe das BMI für die Über­gangs­zeit bis zum Abschluss des Recht­set­zungs­ver­fah­rens zur Anpas­sung der HOAI umge­hend reagiert und bewusst nur die euro­pa­recht­lich erfor­der­li­chen Ände­run­gen vor­ge­ge­ben. Die inso­weit not­wen­di­gen ver­trag­li­chen Anpas­sun­gen eröff­nen die Mög­lich­keit eines Zu- oder Abschlags, behal­ten aber ansons­ten die Sys­te­ma­tik der Hono­ra­r­er­mitt­lung gemäß der HOAI bei. Ins­be­son­de­re hebt der Erlass des BMI den Grund­satz des Leis­tungs­wett­be­wer­bes (§ 76 VgV) her­vor. Ange­sichts des über­schau­ba­ren Zeit­raums und im Hin­blick auf das gemein­sa­me pri­mä­re Ziel, die HOAI als Rechts­ver­ord­nung zu erhal­ten, steht das Anlie­gen des BMI im Vor­der­grund, die recht­li­chen Ände­run­gen auf die zur Umset­zung des EuGH-Urteils not­wen­di­gen Ände­run­gen zu kon­zen­trie­ren. In Umset­zung die­ses Ziels setzt Fehn Krestas auch zukünf­tig auf die bewähr­te Zusam­men­ar­beit mit dem AHO als wich­ti­gen Gesprächs­part­ner der Bun­des­re­gie­rung für die­sen Pro­zess.

Der AHO-Vor­stands­vor­sit­zen­de Dr.-Ing. Erich Rip­pert mach­te deut­lich, dass mit dem Luxem­bur­ger Urteil nicht das Ende der HOAI ver­bun­den ist. Die meis­ten Rege­lun­gen blei­ben von dem Urteil unbe­rührt. Ins­be­son­de­re die Leis­tungs­bil­der und die Rege­lun­gen zur Ermitt­lung des Hono­rars haben sich als wert­vol­les Gerüst und Grund­la­ge für das Pla­nen und Bau­en in Deutsch­land über mehr als 40 Jah­re hin­weg eta­bliert. Sie bil­den einen rechts­si­che­ren Rah­men für Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer. Es gel­te nun, die HOAI kurz­fris­tig und sys­te­ma­tisch an die Vor­ga­ben des EuGH anzu­pas­sen, und den not­wen­di­gen recht­li­chen Rah­men für Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en wei­ter­hin sicher­zu­stel­len.

Die Ver­bän­de und Kam­mern der Archi­tek­ten und Inge­nieu­re haben in einem gemein­sa­men Posi­ti­ons­pa­pier ihre Vor­stel­lun­gen zur schritt­wei­sen Anpas­sung der HOAI vor­ge­legt. In einem ers­ten Schritt soll die HOAI am Bei­spiel eines Modells der Steu­er­be­ra­ter­ver­gü­tungs­ver­ord­nung (StBVV) ange­passt wer­den. Im Vor­der­grund steht dabei die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en. Sofern nicht etwas ande­res von den Par­tei­en fest­ge­legt wird, soll künf­tig der Regel­satz (Mit­tel­satz) als ver­ein­bart gel­ten. Fer­ner soll das ver­ein­bar­te Hono­rar ange­mes­sen sein. Die­se Anpas­sung soll mög­lichst kurz­fris­tig erfol­gen und im Jahr 2020 abge­schlos­sen wer­den.

In einem wei­te­ren Schritt geht es dar­um, die recht­li­chen Lücken zur Besei­ti­gung der vom EuGH fest­ge­stell­ten Inko­hä­renz durch ent­spre­chen­den Nach­weis der fach­li­chen Eig­nung zu schlie­ßen, um so mög­lichst eine Wie­der­her­stel­lung der Ver­bind­lich­keit der Min­dest­sät­ze zu errei­chen.

Minis­te­ri­al­rat Dr. Tho­mas Sol­bach vom feder­füh­ren­den Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWi) ließ in sei­nem Vor­trag die wesent­li­chen Grund­zü­ge des EuGH-Urteils zur HOAI Revue pas­sie­ren und skiz­zier­te den Weg zu den not­wen­di­gen Anpas­sun­gen im deut­schen Recht. So sei­en neben Anpas­sun­gen der HOAI auch Ver­än­de­run­gen der zugrun­de­lie­gen­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die HOAI (Gesetz zur Rege­lung von Inge­nieur- und Archi­tek­ten­leis­tun­gen) erfor­der­lich. In dem not­wen­di­gen Recht­set­zungs­ver­fah­ren sol­len, abge­se­hen von den ver­bind­li­chen Hono­rar­sät­zen, die übri­gen Vor­ga­ben der HOAI soweit wie mög­lich bei­be­hal­ten wer­den. Ver­schie­de­ne Fra­gen zur Aus­ge­stal­tung im Detail befin­den sich der­zeit in der Dis­kus­si­on und wer­den mit den fach­lich Betei­lig­ten, dar­un­ter auch AHO, Bun­des­ar­chi­tek­ten­kam­mer und Bun­des­in­ge­nieur­kam­mer inten­siv dis­ku­tiert. Er stimm­te zu, dass die not­wen­di­gen Anpas­sun­gen im kom­men­den Jahr 2020 umge­setzt wer­den sol­len.

Denk­an­stö­ße zur zukünf­ti­gen Hono­rie­rung von Pla­nungs­leis­tun­gen gab Pro­fes­sor Dr.-Ing Cle­mens Schramm, der das wirt­schaft­li­che Gut­ach­ten zur Recht­fer­ti­gung der HOAI im EU-Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren erstellt hat. Er ging auf ver­schie­de­ne Ansät­ze zur zukünf­ti­gen Hono­rie­rung ein. So könn­te die Berück­sich­ti­gung von Objekt- und Pro­jekt­kom­po­nen­ten im Ergeb­nis zu einer Leit­kur­ve füh­ren, die sich am mitt­le­ren Hono­rar­satz der HOAI ori­en­tiert und die Grund­la­ge für die Ermitt­lung des Auf­wan­des im Ein­zel­fall bil­det. In jedem Fall muss der Zusam­men­hang zwi­schen Hono­rar und Qua­li­tät beach­tet wer­den, wie das ins­be­son­de­re der Euro­päi­sche Gerichts­hof in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den betont hat.

Ein wei­te­rer Höhe­punkt der Tagung war der Vor­trag von Rechts­an­walt Pro­fes­sor Dr. Burk­hard Mes­ser­schmidt (Rede­ker Sell­ner Dahs, Bonn), der ins­be­son­de­re auf die Fol­gen des EuGH-Urteils für lau­fen­de Ver­trä­ge und Ver­fah­ren und die der­zeit diver­gie­ren­de Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te zur wei­te­ren Berück­sich­ti­gung der HOAI-Min­dest­sät­ze ein­ging. Hier wer­de der Bun­des­ge­richts­hof das letz­te Wort haben. Mit einer höchst­rich­ter­li­chen Ent­schei­dung sei aber frü­hes­tens Mit­te 2020 zu rech­nen.

Wie in jedem Jahr wur­den im Rah­men der AHO-Herbst­ta­gung die wesent­li­chen Ergeb­nis­se der von AHO, Ver­band Bera­ten­der Inge­nieu­re (VBI) und Bun­des­in­ge­nieur­kam­mer beim Insti­tut für Freie Beru­fe (IFB) beauf­trag­ten Jah­res­um­fra­ge “Wirt­schaft­li­che Lage der Inge­nieu­re und Archi­tek­ten” für das Jahr 2018 vor­ge­stellt.

Der AHO-Vor­stands­vor­sit­zen­de konn­te ein über­wie­gend posi­ti­ves Bild der momen­ta­nen wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on von Inge­nieur- und Archi­tek­tur­bü­ros zeich­nen. Dies ver­deut­li­chen nicht zuletzt die nach wie vor sta­bi­len Umsät­ze und Ren­di­ten, auch wenn die­se wegen der teil­wei­se inho­mo­ge­nen Struk­tur der betei­lig­ten Pla­nungs­bü­ros unter­schied­lich aus­fal­len. Pla­nungs­leis­tun­gen wer­den wei­ter­hin stark nach­ge­fragt. So beträgt der Auf­trags­be­stand der Inge­nieur­bü­ros durch­schnitt­lich 9 Mona­te, bei Archi­tek­tur­bü­ros sind es sogar 11,4 Mona­te.
Unge­bro­chen ist auch die Nach­fra­ge nach fest ange­stell­ten Inge­nieu­ren und Archi­tek­ten. So gaben mehr als die Hälf­te der befrag­ten Inge­nieur­bü­ros (54,8 %) einen höhe­ren Per­so­nal­be­darf an fest ange­stell­ten Inge­nieu­ren an. Bei 52,6 % der Archi­tek­tur­bü­ros wird ein zusätz­li­cher Bedarf an Archi­tek­ten gemel­det. Dem gegen­über ist es der­zeit schwie­rig, Inge­nieur­ab­sol­ven­ten für die Arbeit in Pla­nungs­bü­ros zu gewin­nen. Im direk­ten Ver­gleich der Inge­nieur­be­ru­fe lie­gen die am Bau täti­gen Inge­nieu­re im unters­ten Bereich des Gehalts­ran­kings. Hier gibt es bei den Gehäl­tern deut­li­chen Nach­hol­be­darf. Dies setzt für Pla­nungs­bü­ros aus­kömm­li­che Hono­ra­re vor­aus, die kei­nes­falls unter den Min­dest­sät­zen der HOAI lie­gen dür­fen. Andern­falls wird es für Auf­trag­ge­ber und Inge­nieur­bü­ros schwie­rig, für die anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen im Woh­nungs­bau aber auch im Infra­struk­tur­be­reich das not­wen­di­ge Fach­per­so­nal zu fin­den.
Die gesam­ten Ergeb­nis­se der Jah­res­um­fra­ge und wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind unter www.aho.de abruf­bar. Dort fin­den Sie auch den AHO-Stun­den­satz­rech­ner.

Ver­ant­wort­lich:
Ron­ny Her­holz, Geschäfts­füh­rer
AHO, Aus­schuss der Ver­bän­de und Kam­mern der Inge­nieu­re und
Archi­tek­ten für die Hono­rar­ord­nung e.V.
Tau­ent­zi­en­stra­ße 18
10789 Ber­lin
Tel.: +49 30 3101917–0
aho@aho.de
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