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RAT VON FACH­AN­WALT: FORM­FEH­LER MIT TEU­REN FOL­GEN: BSG BESTÄ­TIGT REGRESS VON 490.000 € WEGEN FEH­LEN­DER UNTERSCHRIFT

Medizinrecht Ratgeber Recht

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) hat ent­schie­den, dass ein Arzt für über Jah­re hin­weg feh­ler­haft aus­ge­stell­te Sprech­stun­den­be­darfs­ver­ord­nun­gen einen Regress von 490.000 € zah­len muss. Grund: Die Ver­ord­nun­gen waren nicht per­sön­lich unter­schrie­ben, son­dern ledig­lich mit einem Unter­schrif­tens­tem­pel versehen.

Was war passiert?

Ein Kar­dio­lo­ge hat­te in 14 Quar­ta­len Medi­ka­men­te und Pra­xis­be­darf per Rezept ver­ord­net, ohne die­se eigen­hän­dig oder per qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur zu unter­zeich­nen. Der Beschwer­de­aus­schuss der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen in Hes­sen setz­te dar­auf­hin – auf Antrag der Kran­ken­kas­se – einen Regress in Höhe des gesam­ten Werts der betrof­fe­nen Ver­ord­nun­gen fest.

Der Arzt wehr­te sich und argu­men­tier­te, dass es an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge feh­le und die Sank­ti­on unver­hält­nis­mä­ßig sei. Zudem sei­en die Ver­ord­nun­gen medi­zi­nisch indi­ziert gewesen.

Ent­schei­dung des Gerichts

Das BSG stell­te klar:

  • § 48 Abs. 1 BMV‑Ä bil­det eine aus­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge, gestützt auf § 82 Abs. 1 S. 2 und § 72 Abs. 2 SGB V.
  • Die per­sön­li­che Unter­schrift ist ein wesent­li­ches Form­erfor­der­nis. Nur so kön­ne die Rich­tig­keit und Sicher­heit der Ver­ord­nung gewähr­leis­tet werden.
  • Der feh­len­de per­sön­li­che Signa­tur­nach­weis begrün­det einen „sons­ti­gen Scha­den“ – unab­hän­gig davon, ob die Medi­ka­men­te tat­säch­lich benö­tigt wurden.
  • Die Höhe des Regres­ses ent­spricht dem Gesamt­wert der falsch aus­ge­stell­ten Ver­ord­nun­gen. Eine Redu­zie­rung kam nicht in Betracht.

Fazit & Handlungsempfehlung

Das Urteil zeigt: Selbst for­ma­le Feh­ler kön­nen erheb­li­che finan­zi­el­le Risi­ken ber­gen. Ärz­tin­nen und Ärz­te müs­sen sämt­li­che Ver­ord­nun­gen eigen­hän­dig oder mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur versehen.

Emp­feh­lung:

  • Pra­xis­ab­läu­fe regel­mä­ßig prü­fen und dokumentieren.
  • Mit­ar­bei­ten­de in Com­pli­ance-Fra­gen schulen.
  • Bei dro­hen­den Regres­sen sofort recht­li­che Bera­tung in Anspruch neh­men – früh­zei­ti­ges Han­deln kann den Scha­den oft deut­lich begrenzen.

Quel­len: BSG, Urteil vom 27.08.2025 – B 6 KA 9/24 R

Mar­cel Schmieder
Rechtsanwalt
Fach­an­walt für Medizinrecht
Fach­an­walt für Han­dels- und Gesellschaftsrecht

 


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